Sieben ADHS-Typen nach Dr. Daniel Amen

ADHS sieht bei kaum zwei Menschen gleich aus. Genau deshalb schlagen manche Fachleute vor, Subtypen zu unterscheiden. Eines der bekanntesten — und zugleich meistdiskutierten — Modelle stammt vom amerikanischen Psychiater Dr. Daniel Amen.

Wer ist Dr. Daniel Amen?

Dr. Daniel Amen ist ein US-amerikanischer, doppelt zertifizierter Psychiater (u. a. im Bereich Neurobildgebung) und Gründer der seit 1989 bestehenden Amen Clinics. Er ist Autor zahlreicher Bestseller über Gehirngesundheit, darunter „Change Your Brain, Change Your Life” und „Healing ADD”. Bekannt wurde er durch den Einsatz der SPECT-Bildgebung (Einzelphotonen-Emissions-Computertomografie), die Durchblutung und Aktivität in verschiedenen Hirnregionen zeigt; er baute eine der weltweit größten Datenbanken funktioneller Hirn-Scans auf. Sein Leitgedanke: Die Psychiatrie schaut zu selten auf das Organ, das sie behandelt, und Unterstützung sollte differenziert werden.

Woher die Idee der Typen?

Amen argumentiert, dass ADHS (von ihm ADD genannt) keine einheitliche Störung sei, sondern eine Gruppe von Subtypen mit unterschiedlichen Mustern der Hirnaktivität. Das Erkennen des Typs soll helfen, Unterstützung individueller auszurichten.

Sieben ADS/ADHS-Typen nach Amen

In seinem Buch „Healing ADD” beschreibt Amen letztlich sieben Subtypen.

1. Klassischer Typ (Classic ADHD) — Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität, schwache Organisation, Aufschieben, innere Unruhe.

2. Unaufmerksamer Typ (Inattentive ADHD) — Aufmerksamkeitsprobleme, leichte Ablenkbarkeit, Motivationsschwierigkeiten, Verlangsamung; ohne ausgeprägte Hyperaktivität. Wird oft als Faulheit oder „Verträumtheit” missverstanden, später erkannt und häufiger bei Frauen.

3. Überfokussierter Typ (Over-Focused ADHD) — zu den klassischen Symptomen kommen wiederkehrende negative Gedanken, Schwierigkeiten beim Umschalten der Aufmerksamkeit, Unflexibilität, übermäßiges (mitunter zwanghaftes) Grübeln und Streitlust.

4. Temporallappen-Typ (Temporal Lobe ADHD) — neben den klassischen Symptomen Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Impulsivität und mitunter Gedächtnis- und Lernschwierigkeiten; mit der Funktion der Schläfenlappen in Verbindung gebracht.

5. Limbischer Typ (Limbic ADHD) — die klassischen Symptome gehen mit einer anhaltenden, milden Niedergeschlagenheit einher (nicht dasselbe wie eine Depression): wenig Energie, Gefühl der Wertlosigkeit, geringes Selbstwertgefühl. Mit der Aktivität des limbischen Systems in Verbindung gebracht, das die Stimmung mitgestaltet.

6. „Ring of Fire”-Typ (Ring of Fire ADHD) — intensive, wechselnde Stimmungen, Reizbarkeit, Überempfindlichkeit (gegenüber Geräuschen, Licht, Berührung), Starrheit und Opposition; beschrieben als Muster überhöhter Aktivität in mehreren Hirnregionen.

7. Ängstlicher Typ (Anxious ADHD) — die ADS-Symptome werden von Anspannung, Angst und Stress begleitet, oft mit körperlichen Beschwerden (Bauch-, Kopfschmerzen) und einer Neigung zu düsteren Gedanken.

Amen weist zudem darauf hin, dass sich die Typen überlappen können — bei einer Person kann mehr als ein Muster vorliegen (häufig verbinden sich der limbische, der überfokussierte und der ängstliche Typ).

Und die Behandlung?

In Amens Sicht wird das Vorgehen individuell auf den Typ abgestimmt und verbindet meist Arbeit am Lebensstil (Schlaf, Bewegung, Ernährung, Stressabbau) mit — je nach Fall — medikamentöser oder ergänzender Unterstützung sowie Methoden wie Neurofeedback. Wichtig: Das ist Teil seines eigenen Ansatzes, keine offizielle Leitlinie. Entscheidungen über Medikamente oder Nahrungsergänzung gehören in ärztliche Hände und erfordern eine individuelle Abklärung — deshalb nenne ich hier bewusst keine konkreten Präparate oder Dosierungen.

Für viele Menschen ist Amens Typologie inspirierend und hilfreich, um eigene Erfahrungen in Worte zu fassen. Dr. Amen ist für viele berichtete Erfolge in der Arbeit mit ADS bekannt, die er der Verbindung von akademischer Medizin mit seinen eigenen Protokollen zuschreibt — mit Empfehlungen zu Nahrungsergänzung, Ernährung und Lebensstiländerung. Es handelt sich um einen eigenen Ansatz und nicht um einen Teil der offiziellen Klassifikationen (DSM-5 oder ICD-11), die ADHS etwas anders beschreiben: als vorwiegend unaufmerksames, vorwiegend hyperaktiv-impulsives oder kombiniertes Erscheinungsbild. Die Bildgebungsmethoden, auf denen diese Einteilung beruht, werden in der Wissenschaft weiterhin diskutiert.

Unabhängig von der Benennung ist die Botschaft wertvoll: ADHS hat viele Gesichter, und Unterstützung sollte auf den einzelnen Menschen zugeschnitten sein — das entspricht dem ganzheitlichen Ansatz, der den Menschen als Ganzes betrachtet.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine Diagnose oder fachliche Beratung.

M.Sc. Marta Adamczyk-GirčysPsychologin · Ganzheitliche Psychologie

Quellen und weiterführende Informationen

Marta Adamczyk-Girčys

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